Corona als Verstärker sozialer Ungleichheiten

Vor einem Jahr machte der erste bekannte Corona-Fall seine Runde. Das führte in Folge nicht nur zu neuen Problemen. Die Pandemie hat auch altbekannte Probleme verstärkt. So sind es vor allem Künstlerinnen und Künstler, die sich im Stich gelassen fühlen und nun um ihre Existenz bangen müssen. Als Time to Help wollen wir auf diese schwierige Situation aufmerksam machen. Ein für Time to Help eher unübliches Anliegen.

Corona – Was macht die Politik?

Künstler und Kreativarbeiter beschwerten sich seit dem ersten Lockdown immer wieder darüber, dass sie, anders als normale Angestellte in verschiedensten Berufen, keine Überbrückungsgelder bekämen. Klar ist, eine riesige Branche fühlt sich als nicht-systemrelevant abgestempelt. Auch wenn die Bundesregierung bereits im vergangenen Jahr mehrere Hilfsprogramme durchgeführt hatte.

Eines dieser Hilfsangebote ist das Projekt „Neustart Kultur“, für das die Bundesregierung rund eine Milliarde Euro zur verfügung stellt, in der Hoffnung das kulturelle Leben in Deutschland zu retten. Die Liquiditätshilfen, Hilfspakete für Solo-Selbstständige und Kleinunternehmen und weitere Maßnahmen sollen helfen.

Freiberufler bangen um ihre Existenz wegen Corona

So schön die besagten Hilfen auch klingen mögen, von der Not betroffene Bürger sehen keinen Grund zur Euphorie. In einem Interview spricht der Nürnberger Kabarettist Oliver Tissot beispielsweise von einer „tiefen Verzweiflung in der Branche“.

Angesprochen auf die Frage, ob sich der Künstler in seiner Existenz bedroht fühlt, antwortet er scherzend, er dürfe laut seinen Rechnungen nicht so alt werden, wie er es sich vorgenommen hätte. Dabei sei er noch einer der Glücklicheren. Viele andere hätten ihm zufolge bereits das Handtuch geworfen und müssen sich neue Jobs suchen. So müssen sich einige Künstler und Kreative nun als Pizzaboten und Kassierer neu entdecken. Berufe, die sie in ihren Interessen und Kompetenzen nicht erfüllen. Insgesamt geht Tissot davon aus, dass die Kulturszene einiges an Gewicht verlieren- und deutlich ausgedünnt wird.

Hilfeschrei und Protest

Der Dachverband freier Würzburger Kulturträger gibt ein Alarmsignal. Die Hilfsprogramme der Regierung machten ihnen anfangs Hoffnung. Allerdings folgte zügig die Verzweiflung, da die Hilfen bei genauer Betrachtung an der Realität vorbeigingen und in sich widersprüchlich seien.

Auf ihrer Homepage teilen sie berichte mehrerer Leidtragender, die ihre Sorgen und Probleme teilen. Hinter jedem Beitrag stehe ein Mensch, versichert der Verband. In mehreren Beiträgen ist von Existenzängsten die Rede. Jahrzehntelange Arbeit sei innerhalb kurzer Zeit in sich hineingebrochen. Ein Schauspiellehrer aus Bayern wartet indes noch immer auf die versprochene Soforthilfe, die Ministerpräsident Söder versprochen hatte und das, obwohl er der erste Ministerpräsident war, der eine Soforthilfe versprach.

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